„Wir sind eine offene Kirche, in der alle willkommen sind“
Frühjahrssynode: Landesbischöfin Heike Springhart wirbt in ihrem Bericht für einen Perspektivwechsel
Bad Herrenalb/Karlsruhe, (22.04.2026). Der Bericht zur Lage von Landesbischöfin Heike Springhart sowie ein Impulsvortrag zu Ausbildungswegen für theologische Berufe standen im Mittelpunkt der ersten Plenarsitzung, mit der am Mittwoch der parlamentarische Teil der Frühjahrstagung der Evangelischen Landeskirche in Baden unter der Leitung von Synodalpräsident Axel Wermke begann. Dabei rief die Landesbischöfin zu einem grundlegenden Perspektivwechsel auf und warb für eine Kirche an der Seite der Menschen.
Unter dem Titel „Über das Mögliche hinaus. Perspektiven wechseln, Hoffnung nähren“ betonte Heike Springhart in Bad Herrenalb, Kirche dürfe sich nicht „gefangen nehmen lassen von Erwartungen und Prognosen, von schmaler werdenden Finanzen und dem eigenen Versagen“.
Die Legislaturperiode der 13. Landessynode sei in den vergangenen sechs Jahren geprägt gewesen von dem Gefühl, „dass die Krisen nicht kleiner, sondern größer, nicht weniger, sondern mehr werden“. Die Coronazeit habe Spuren hinterlassen, aber auch wichtige Lernprozesse angestoßen. Dazu zähle insbesondere der Perspektivwechsel, dass Gemeinde größer zu denken sei als die klassische Gottesdienstgemeinde, und dass gottesdienstliches Handeln vielfältiger zu gestalten sei - analog und digital.
Anhaltende Krisen wie Klimawandel, Kriege, Inflation und gesellschaftliche Spaltung zahlten auf das verbreitete Grundgefühl ein, dass nichts mehr besser werde. „Von diesen gesellschaftlichen Großwetterlagen sind wir auch als Kirche nicht unabhängig. Aber wir haben das Potenzial zum Perspektivwechsel“, betonte Springhart. „In einer von Filterblasen geprägten Gesellschaft ist das Festhalten und Zusammenhalten von vielfältiger Gemeinschaft eine Stärke.“
Christliche Hoffnung speise sich von Ostern her, so die Bischöfin weiter. „Hoffnung, deren Realismus sich dadurch auszeichnet, dass sie an der Seite derer steht, die von Gewalt bedroht und verletzt sind, die übersehen und kleingeredet werden.“ Springhart betonte sehr deutlich: „Wir sind als Evangelische Landeskirche in Baden eine offene Kirche, in der alle willkommen sind – unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung und Herkunft.“
Zugleich warnte Springhart vor dem Irrglauben, als Kirche eine „bessere Gegenwirklichkeit“ zu sein. Nicht zuletzt die ForuM-Studie habe in aller Deutlichkeit das Bild einer Kirche ohne Brüche, ohne Schuld und ohne Versagen zum Kippen gebracht.
Blick über den Tellerrand
Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts lag auf der ökumenischen, interreligiösen und internationalen Verbundenheit der badischen Landeskirche. „Gerade in einer Welt, die in so vieler Hinsicht in Unordnung geraten ist, sind die persönlichen Beziehungen zu den Kirchen in den bedrängten Weltgegenden von besonderer Bedeutung“, stellte Heike Springhart fest.
So habe sie aus ihrer Begegnungsreise zur Partnerkirche in den USA die Frage mitgenommen, „welche politischen Kräfte als Opposition noch funktionieren und wie die Gegenkräfte gegen Despotismus, Rassismus und Sexismus gestärkt werden können.“ Auch in unserem Land stelle sich die Frage, was der Beitrag der Kirchen sein könne.
Die Landesbischöfin betonte zudem, dass Hass und Gewalt weder im Nahen Osten noch auf unseren Straßen eine Zukunft haben dürften. Es sei nicht hinnehmbar, dass jüdische Menschen hier in Deutschland zunehmend antisemitischen Angriffen ausgesetzt seien. Zugleich stellte sie fest: „So wenig jüdische Menschen bei uns für die israelische Regierung verantwortlich zu machen sind, so wenig ist jede Form der Kritik an der israelischen Regierung mit Antisemitismus gleichzusetzen.“ Kirchlicher Auftrag sei es, „klar gegen Antisemitismus und klar gegen Menschenrechtsverletzungen“ einzutreten.
Kirche des gerechten Friedens
Angesichts der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten rücke die Friedensethik wieder ins Zentrum. Die neueste Friedensdenkschrift der EKD werde seit ihrer Veröffentlichung im November 2025 intensiv diskutiert. „Die konkreten Herausforderungen angesichts der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten und die Spannung zwischen Hilfe für die von Gewalt Bedrohten und Betroffenen und dem Festhalten an der Kraft gewaltloser Konfliktlösungen lassen sich nicht schwarz-weiß auflösen.“ Die Aufgabe der Kirche und der Friedensethik könne nicht darin bestehen, den Bedrohten Gewaltlosigkeit nahezulegen, so die Bischöfin. „Aber der Fokus muss darauf liegen, die Kräfte zu stärken, die dem Frieden dienen, die Gewaltlosigkeit wagen und die sich auf Schritte der Versöhnung machen.“ Auch Klimagerechtigkeit sei ein zentraler Bestandteil des gerechten Friedens.
Ein wesentlicher Perspektivwechsel der letzten Jahre betreffe den Umgang mit sexualisierter Gewalt. „Der Perspektivwechsel zum Ernstnehmen der Perspektive der Betroffenen hat sich im zurückliegenden Jahr insbesondere in der Inkraftsetzung der neuen Anerkennungsrichtlinie konkretisiert.“ Auch wenn sich Leid nicht wiedergutmachen lasse, sei Anerkennung ein notwendiges Zeichen.
Für die Zukunft der Landeskirche plädierte Landesbischöfin Heike Springhart für eine bewusste Perspektivverschiebung: weg von Machtansprüchen hin zu einer Kirche, „die um die Kraft weiß, die in der Schwachheit mächtig ist“.
Viele ermutigende Aufbrüche
Sie habe in den zurückliegenden Jahren viele ermutigende Aufbrüche innerhalb der badischen Landeskirche gesehen, die von den Menschen her denken. Deutlich werde dies etwa bei neuen Zugängen zu Kasualien, bei Segensangeboten im öffentlichen Raum oder beispielsweise bei Pop-up-Angeboten. Diese seien „erfreuliche Zeichen von überraschender Sichtbarkeit Gottes im Alltag“.
Impuls zu theologischen Berufen
Im Anschluss an den Bericht der Landesbischöfin gaben Sybille Rolf und Joost Wejwer aus dem Personalreferat der badischen Landeskirche den Landessynodalen mit ihrem Impuls einen Einblick in die Ausbildungswege und Anstellungsvoraussetzungen bei theologischen Berufen.
„Die Zahlen der Theologiestudierenden scheinen sich leicht zu erholen, aber wir müssen abwarten, wie es sich entwickelt“, sagte Kirchenrätin Sybille Rolf. Dennoch werde sich der Fachkräftemangel verschärfen, „denn die Studierendenzahlen sind für einige Jahre sehr niedrig gewesen, und die erwarteten Ruhestände nehmen zu“.
Die Struktur des Theologie-Studiums sei gerade dabei, sich maßgeblich zu diversifizieren. Zukünftig werde es neben der weiterhin bestehenden Studienstruktur mit Examen auch eine Bachelor/Master-Struktur geben, vergleichbar mit vielen anderen Studiengängen. Zudem gebe es unter anderem schon seit einigen Jahren den „Quereinstiegsmaster” für Bachelor-Absolventen anderer Fachrichtungen. „Die Strukturveränderung des Theologie-Studiums hin zu Bachelor/Master hat Chancen und Grenzen. Wird sie wirklich dazu führen, dass es mehr Studierende geben wird? Wir wissen es nicht“, betonte Rolf. Vieles sei im Fluss. „Nicht nur unsere Kirche, auch die Theologische Ausbildung verändert sich maßgeblich.“
Einen Einblick in die Hochschulausbildung von Diakoninnen und Diakonen gab anschließend Joost Wejwer. Zentrale Bausteine seien das Studium „Religion und Soziales“ an der EH Freiburg, Aufbau‑ und Nachqualifizierungen, eine enge Studienbegleitung sowie ein bundesweit einzigartiges zweijähriges Traineeprogramm mit anschließender unbefristeter Anstellung.
Kampagne „hoffnungsvoll“
Mit Informationen zur Kampagne „hoffnungsvoll“, die Kirchenrat André Kendel, Leiter der Abteilung Kommunikation und Fundraising, dem Plenum vorstellte, schloss die erste Plenarsitzung. Mit der Kampagne „hoffnungsvoll“ möchte die badische Landeskirche in Zeiten gesellschaftlicher Krisen ein starkes Zeichen setzen. Mit Social-Media-Aktionen, kreativen Projekten bis hin zu analogen Begegnungen sind Gemeinden, Kooperationsräume, Bezirke und Einzelpersonen dazu eingeladen, Hoffnung gemeinsam zu gestalten und weiterzugeben. Weitere Informationen zur Hoffnungskampagne gibt es unter www.ekiba.de/hoffnungsvoll.
Am Freitagnachmittag und Samstagvormittag folgen die zweite und dritte öffentliche Plenarsitzung der Sitzungswoche. In ihnen werden unter anderem ein Zwischenbericht zum Gebäudestrukturprozess sowie ein Bericht zur Zukunftsfähigkeit evangelischer Kindertageseinrichtungen in Baden vorgestellt. Darüber hinaus stimmen die Delegierten über Änderungsentwürfe zu mehreren Kirchlichen Gesetzen ab – unter anderem zum Seelsorgegesetz, dem Gesetz über die Vermögensverwaltung und die Haushaltswirtschaft sowie zum Gesetz über die Evangelische Hochschule. Mit einem Abschlussgottesdienst endet am Samstag dann die sechsjährige Legislaturperiode der 13. Landessynode.
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